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Monatsübersicht der Presseartikel

Dies ist eine Monatsübersicht der Artikel.

Feuilleton - Donnerstag, 3. März 1994

Vor zwei Monaten ist er gestorben, der Autor Werner Schwab. In der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz fand ihm zu Ehren eine Lesung statt. «Abfall, Bergland, Cäsar» heißt das Werk, aus dem Thomas Thieme vorlas. Es enthält 26 Kapitel, deren Ordnungsprinzip das Alphabet ist.

Thieme erinnerte daran, daß Schwab vor zwei Jahren zum besten Dramatiker Deutschlands ernannt wurde. Nach soviel Lob drohe meist ein baldiger Verriß durch die Kritiker, was Schwab nicht mehr erlebte.

Feuilleton - Freitag, 4. März 1994

Bizet-Oper «Carmen» mit Agnes Baltsa und José Carreras

George Bizets große Oper «Carmen» wird im Juni als gigantisches Projekt in der Deutschlandhalle aufgeführt, und zwar mit einem beachtlichen Staraufgebot: José Carreras und Agnes Baltsa sind in den Hauptrollen zu erleben.

Hier wird etwas geboten, was es so nicht auf der Opernbühne zu sehen gibt. Rund 600 Sänger, Tänzer und Musiker wirken an dem Spektakel mit. Die Deutschlandhalle sei gerade groß genug für diese Ausmaße, hieß es von Seiten der Veranstalter.

Feuilleton - Donnerstag, 10. März 1994

Rio de Janeiro ist nicht nur die Kulisse für den Karneval, Rio steht auch für das Leid der Straßenkinder, die in den Favelas ein elendes Leben fristen. Die Geschichte zweier Mädchen wird in dem Stück «Rote Schuhe» von Tiziana Lucattini erzählt. Marcello Diaz hat es im carrousel-Theater inszeniert.

Wir erleben einen Tag der beiden Mädchen Stelluna und Mammalena, die auf der Flucht vor den Todesschwadronen sind. Mammalenas Mutter ist vor kurzem ermordet worden, und das einzige Andenken, das das Kind an sie hat, sind ihre roten Schuhe.

Feuilleton - Montag, 14. März 1994

Matinee zu «Herr Paul» im Deutschen Theater

Wenn sich ein Autor zu seinen Werken äußert, verspricht es interessant zu werden. So auch bei Tankred Dorst, der während einer Matinee im Deutschen Theater einen Einblick in seine Arbeit bot.

Sein Stück «Herr Paul» wurde gerade in Hamburg uraufgeführt und erlebt am 26. März seine Berliner Premiere in den Kammerspielen des Deutschen Theaters. Mit von der Partie: Kurt Böwe. Für Dorst Anlaß genug, auch über die Entstehung anderer Werke zu sprechen.

Feuilleton - Mittwoch, 16. März 1994

Ein seit Jahren nicht mehr erhältliches Buch plötzlich wieder in Händen zu halten, kann zur faszinierenden Wiederbegegnung werden. Denn vieles hatte man vergessen, anderes hat sich für immer eingeprägt. Doch wie ungewöhnlich muß dieses Gefühl sein, wenn man selbst der Autor dieses Buches ist.

So ging es Ralph Giordano mit seinem Werk «Morris - Geschichte einer Freundschaft», das er vor fast 50 Jahren schrieb und das jetzt wieder in einer Neuauflage des Berliner Verlags Neues Leben vorliegt.

Feuilleton - Mittwoch, 16. März 1994

Junge Talente zu entdecken und zu fördern, ist das Ziel der ungarischen Organisation «crescendo». In Zusammenarbeit mit Katharina Wauer, die sich seit vielen Jahren im Haus Ungarn für den Kulturaustausch zwischen Deutschland und Ungarn einsetzt, werden jetzt wieder einige junge Künstler vorgestellt.

Leitgedanke der Programme ist es, daß das ungarische Element nie fehlen darf. So stammt entweder der Interpret oder der Komponist aus Ungarn. Im Idealfall kommt beides zusammen.

Feuilleton - Samstag, 26. März 1994

König David ist zweifellos eine der schillerndsten Personen des Alten Testaments. So nahm sich auch Hans Henny Jahnn das Buch der Bücher und formte aus den Kapiteln Samuel 1, 16-22 sein Drama «Spur des dunklen Engels».

Im Mittelpunkt steht die Jugendliebe des späteren Königs Israels und wohl bedeutendsten Psalmsängers. Seine Liebe gilt Jonathan, dem ältesten Sohn seines Königs Saul. Doch auch Saul begehrt den Knaben, der ihn durch seine Kunst des Musizierens besänftigen kann. Und doch gerät das Musikgenie David in den Strudel der Intrigen und muß um sein Leben fürchten.

Feuilleton - Montag, 28. März 1994

Über die Flure und Gänge, über die Bühne und an der Bar tobt das Molière-Spektakel «Der Herr aus der Provinz» im Theater an der Schönhauser. Verräterisch ist schon da der Untertitel «Molières Geisterbahn», denn so rasant wie die Jahrmarktsattraktion ist auch dieses Spiel. Mit Tempo und Temperament agieren die zehn Darsteller unter der Regie von Axel Poike.

Feuilleton - Dienstag, 29. März 1994

«David und Diego» als Solo im carrousel-Theater

Die utopischen Planungen schöngeistiger Ideologen haben schon immer die schönsten Entwürfe des «neuen Menschen» hervorgebracht, doch Schwule paßten nie in diese Weltbilder. Wie könnte es also einem Homosexuellen ergehen, der auf Kuba lebt? Seine sexuelle Orientierung ist zwar kein Tabu mehr, paßt aber auch in keinen Fünfjahresplan.

Feuilleton - Donnerstag, 31. März 1994

In der Liebe geht er über Leichen. Blaubart hat seine erste große Liebe, seine Klavierlehrerin, im Besenschrank eingeschlossen und sich erst nach zwei Jahren wieder an sie erinnert, als sie dort gefunden wird. Seinen anderen Frauen geht es nicht besser: Stets sind es die kleinen Unachtsamkeiten, die das Leben der Damen beenden. Und mit jedem dieser Unfälle wächst das Damen-Orchester Blaubarts. Dem wohlgeformten Klangkörper fehlt noch die schöne Stimme. Also entschließt sich Blaubart zur Heirat mit der Sängerin Marie.