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Berliner Symphoniker führten spielerisch ins neue Jahr

Feuilleton - Berliner Morgenpost, Donnerstag, 2. Januar 1997
Jeder Jahreswechsel ist eine große geistige Zäsur und doch nur ein kleiner Schritt im Laufe der Zeit. Die Sekundenzeiger rücken auch in der Silvesternacht wenig aufgeregt voran. Und doch ist es die Zeit, noch einmal einen Augenblick innezuhalten für Rück- und Ausblick.

In festlich musikalischem Rahmen taten dies auch die Berliner Symphoniker. Sie hatten sich ein Silvesterprogramm zusammengestellt, das mit heiteren Klängen auch besinnlich stimmen konnte. Denn viele Werke stammten aus Stücken mit ernstem Hintergrund.

Das Heitere im Ernsten zu finden, dem Leben die guten Seiten abzutrotzen schien das Bestreben der Symphoniker unter ihrem Dirigenten Peter Ernst Lassen. Sie machten einen beschwingten Auftakt mit Aram Khachaturians «Masquerada Suite». Dieser walzerartigen Mazurka folgte die «Fantaisie brillante» von Henrik Wieniawski. Solist dieses Stückes war Patrice Fontanarosa, der mit duftiger Leichtigkeit die kompliziertesten Kapriolen vollführte und auf seiner Violine einen berückenden Klangzauber entfaltete.

Mit Wieniawskis Werk, das er über Motive aus Gounods Oper «Faust» geschrieben hatte, wurde ein Reigen von Werken eröffnet, die andere Stücke paraphrasierten. Denn auch Verdis «La Traviata» in der Bearbeitung des zeitgenössischen Komponisten Marc-Olivier Dupin oder die Fantasie über Arien aus Bizets «Carmen» von Pablo de Sarasate umspielten gekonnt die großen musikalischen Vorbilder.

Die Tradierung und stete Neufassung alter Stoffe hatte auch Frederick Delius zu einem Werk inspiriert: Seine Musik nach Gottfried Kellers Erzählung «Romeo und Julia auf dem Dorfe» beeindruckte durch romantischen Melodienzauber. Von bekannt frech-fröhlicher Art zeigte sich dann Jacques Offenbachs Bearbeitung der Sage von Orpheus und Euridike. Die Ouvertüre seines «Orpheus in der Unterwelt» heizte mit Höllenglut und guter Laune mächtig ein.

Mit Hans Christian Lumbye setzte man den Schlußpunkt unter das Konzert und einen musikalischen Akzent zum Jahresende. «Mein Lebewohl an Berlin» und der «Champagner Galopp» verabschiedeten das alte Jahr und hießen das neu in bester Laune willkommen. EvK

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