Du bist hier

Jean-Pierre Morkerken greift mit Jacques Brel-Chansons ins volle Leben

Feuilleton - Berliner Morgenpost, Sonntag, 29. Dezember 1996
Chansons sind nicht nur Lieder - es ist eine Lebensart, eine Weltanschauung. Und so will ein Chanson nicht einfach nur gesungen werden, will gelebt werden. Gerade die Chansons von Jacques Brel sind auch knapp zwanzig Jahre nach seinem Tod noch vitale Zeugnisse seines Schaffens.

Mit spritziger, lebhafter Art brachte sie Jean-Pierre Morkerken in den Grünen Salon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. In der intimen Atmosphäre mit dem etwas angestaubten Charme einer kleinen Bar der 50er Jahre war die Kunstform Chanson bestens aufgehoben. Das Publikum sorgte für die obligaten Zigarettenrauchschwaden, Morkerken für die Musik.

Der Berliner Chansonnier aus Frankreich interpretierte mit viel Temperament und großem Einfühlungsvermögen Brels Lieder. Ganz gleich ob Liebeslied oder satirisches Spottlied: Morkerken fand den rechten Ton. Mit vollem Stimm- und Körpereinsatz brachte er die Ursprünglichkeit und Kraft dieser Chansons auf die Bühne.

Die Mischung stimmte: Heiter-ausgelassenen Stücken folgten die besinnlich-nachdenklichen. Es war ein Griff ins volle Leben. Nicht unwesentlichen Anteil daran hatten auch die vier Musiker, die Morkerken begleiteten. Valery Chorischman (Akkordeon und Klavier), Guennadi Dessiatnik (Geige und Gitarre) Solveig Eckold (Viola) und Andreas Krumwiede (Baß) machten den Abend perfekt.

Das Quintett begeisterte seine Zuhörerschaft mit einer Fülle schönster Chansons. Doch der besondere Reiz ging vom mitreißenden Elan aus, der die Interpretation trug. Da bewegten sich im Publikum manche Lippen zum stummen Mitsingen der bekannten alten Lieder, die doch noch so unverbraucht neu erscheinen. Die Frische und den ungebrochenen Lebenswillen die Lieder Brels konnte wohl keiner besser auf die Bühne bringen als Jea-Pierre Morkerken mit seiner Band.

Wer die leidenschaftliche Art des Chansons liebt, kommt bei Morkerkens Darbietung auf seine Kosten. Wer das Chanson bisher nicht mochte, muß durch ihn zum Liebhaber dieser Gattung werden. Gelegenheit dazu gibt es heute und morgen sowie zu Silvester jeweils um 20.30 Uhr.

Zur Liste der Pressearbeiten