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Schauplatz feierte mit «Rameaus Neffe» sein Zehnjähriges

Feuilleton - Berliner Morgenpost, Montag, 23. Dezember 1996
Zehn Jahre sind keine lange Zeitspanne. Für ein kleines Theater allerdings schon. Denn wenn sich eine Bühne in unserer schnellebigen Zeit behaupten kann, verdient das einige Beachtung. So feiert die Bühne Schauplatz ihr zehnjähriges Bestehen.

Am 21. Dezember lud man zur Premiere von «Rameaus Neffe» von Denis Diderot. Im kleinen Ladentheater in der Dieffenbachstraße 15 hatte man für bescheidenen Festtagsglanz gesorgt: Bistrotischchen mit Lichtern dekoriert zauberten ein wenig Atmosphäre in den schmucklosen Raum.

Denn der Charme des Theater ist noch immer der leicht angeschmuddelte der Kreuzberger Off-Szene der späten 80er Jahre. Alles wirkt hier auch nach zehn Jahre noch so improvisiert wie in der Anfangszeit. Man kann das ja wohlwollend auch als die Konservierung des damaligen Aufbruchsgeistes sehen...

Unter dem Gesichtspunkt, daß der Weg das Ziel ist, muß man auch die Aufführung von «Rameaus Neffe» sehen. Auf diesem Weg liegen so manche Steine des Textes, die leider nicht mit wünschenswerter Leichtigkeit genommen werden. Stein des Anstoßes ist Christoph Stein, dessen Diderot nicht gerade leichtfüßig philosophiert.

Ulrich Berger, von dem auch die Übersetzung stammt, gibt einen lebenslustig grimmasierenden Rameau, dessen tuntige Allüren im barocken Kostüm noch ein bißchen schwülstiger wirken. So prallen zwei Typen - der abgerissene Philosoph und der Lebemann - aufeinander, und sie sprechen über Kunst, Kultur und das Leben.

Bei dem vollen Griff ins Leben kommt es im gleichförmigen Fluß des Dialogs kaum zu erhellenden Höhepunkten. Es reicht leider nicht einen brillanten Dialog auszustellen; er will von den Spielern erlebt werden. Und daran fehlt es. EvK

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