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Dahlemer Gespräch mit Dirigent Yakov Kreizberg

Feuilleton - Berliner Morgenpost, Freitag, 23. September 1994
Nikolaus Sander, SPD-Abgeordneter und stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für kulturelle Angelegenheiten des Berliner Abgeordnetenhauses, lud zum «Dahlemer Kulturpolitischen Gespräch» und stellte in der Domäne Dahlem Yakov Kreizberg vor, der seit Beginn der Spielzeit neuer Chefdirigent der Komischen Oper Berlin ist. In dieser Funktion hat Kreizberg bereits Anerkennung geerntet, denn er leitete die Premiere von Goldschmidts Oper «Der gewaltige Hahnrei».

Kreizberg, 1959 in Leningrad geboren, ging 1976 nach New York und arbeitete mit Bernstein und Ozawa zusammen. 1988 kam er nach Krefeld und nahm jetzt seine Tätigkeit in Berlin auf. Nach der unterschiedlichen Arbeitsweise der Orchester gefragt, sagte er, daß in Deutschland mehr Probenzeit zur Verfügung stünde. Zwar können amerikanische Musiker perfekt vom Blatt spielen, doch entfalte sich der Geist einer Komposition besser nach mehreren Proben.

Diesen Probeneifer beweisen auch die Musiker und Sänger der Komischen Oper, wenn Kreizberg den Klang noch ausarbeiten will. Nur ein so in sich geschlossenes Ensemble steht für solch detailversessene Arbeit zur Verfügung. Andere Opernhäuser verpflichten internationale Stars, die nicht über Proben das Spiel entwickeln.

Das Spiel auf der Bühne sei genauso wichtig wie die Musik - eben wahres Musiktheater, wie es Harry Kupfer seit vielen Jahren praktiziert. Dieses individuelle Profil der Komischen Oper sei eine Bereicherung für Berlin. Aber: «Wenn Berlin Berlin sein will, was es einige Jahrzehnte lang nicht sein durfte, muß es sich jetzt dazu bekennen, für die Kultur ein Zentrum in Europa zu sein», so Kreizbergs Mahnung. Das gebe aber nicht mit überstürzten Haushaltskürzungen. Für alle Kulturschaffenden sei eine langfristige Finanzplanung notwendig. EvK

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