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Avantgarde-Oper mit szenischer Umsetzung von Klangbildern der menschlichen Stimme

Feuilleton - Berliner Morgenpost, Sonntag, 24. April 1994
Urängste eines Aids-Kranken bringt Christian Wolz in seiner Oper «COR» (lateinisch: Herz) auf die Bühne. Wolz ist Komponist und Regisseur dieser Uraufführung im Theater am Halleschen Ufer. Ein einziger Akteur, Chris Cluss, setzt Wolz' Klangbilder aus verschiedenen Lauttechniken der menschlichen Stimme um. Diese Vokalisen werden elektronisch verfremdet und mit Diaprojektionen Illustriert.

Dieses interessante Konzept kommt in der Umsetzung jedoch einer recht eintönigen Schreiorgie gleich. Und für die Schwäche des Konzeptes spricht auch, daß diese Inszenierung mit vielen technischen Mätzchen kräftig aufgemotzt wurde. Es hallt und echot, es tönt und dröhnt aus allen Kanälen. Der technische Aufwand verhält sich umgekehrt proportional zum Inhalt.

Diese «Avantgarde-Opera» wird von akustischen Elementen dominiert. Die zusätzlichen multimedialen Elemente rechtfertigen eine szenische Darstellungsform nicht, denn anfänglich sind die Dia-Projektionen technisch mangelhaft. Ein paar magere Lichteffekte verpuffen, da sie über ein Experimentierstadium hinaus nicht ausgearbeitet wurden.

Die Variationsbreite dieses musiktheatralischen Werkes ist begrenzt. In allen acht Teilen wird hauptsächlich mit den Ausdrucksmöglichkeiten der Stimme gearbeitet, was jedoch nach stets gleichem Muster geschieht. Gelegentlich fließen auch Mischungen aus mittelalterlichem Madrigal und orientalischem Gesang in diese Oper ein. Als Ergänzung dienen zudem Lesungen aus dem Tagebuch eines Aids-Kranken. Erasmus von Krause


Noch am heutigen Sonntag um 20 Uhr im Theater am Halleschen Ufer, Hallesches Ufer 32, Berlin-Kreuzberg.

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