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George Taboris beklemmende Erinnerungen an die Mutter

Feuilleton - Berliner Morgenpost, Freitag, 22. April 1994
Eine Jüdin wird frühmorgens verhaftet, nach Auschwitz deportiert - und erscheint abends pünktlich zum Romméabend. Das ist die höchst eigenwillige Geschichte, die George Tabori in seinem Stück «Mutters Courage» erzählt. Es ist die Geschichte seiner eigenen Mutter, die Tabori da als reichlich makaberes Erinnerungsstück ins Rampenlicht gezerrt hat.

In dem Stück tritt ein Sohn, George Tabori, gemeinsam mit seiner Mutter auf und beginnt seine Erinnerungen aneinanderreihen. In Peter Schroths Inszenierung sind Axel Wandtke als Sohn und Karin Schroth als seine Mutter zu sehen. Gespielt wird im engen Raum unter der Hauptbühne des carrousel-Theaters. Dies schafft eine bedrückende Atmosphäre.

Ungewöhnlich ist auch der Auftritt der Personen: Der Sohn kommt mit dem Fahrstuhl von der Hauptbühne heruntergefahren. Er trägt seine tote Mutter über der Schulter. Die ganze beklemmende Erzahlung wirkt manchmal wie eine Reihe humoristischer Anekdoten, mit großer Lust und viel schwarzem Humor.

Besonders beklemmend wirkt auch der Schauplatz, wenn sich bei der Deportation im Zug über den Köpfen des Publikums die Drehbühne donnernd in Bewegung setzt. Karin Schroth spielt die couragierte Mutter glaubhaft und unprätentiös. Axel Wandtke agiert mit jungenhaftem Charme. Beide wissen in diesem Spiel zwischen Komik und Schrecken ihr Talent gut einzusetzen. Erasmus von Krause


Carrousel-Theater an der Parkaue, Hans-Rodenberg-Platz 1, Berlin-Lichtenberg. Nächste Aufführungen am 25. und 26. Mai, Beginn ist jeweils um 21.30 Uhr.

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