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Die zahlreichen Facetten eines dichtenden Matrosen

Feuilleton - Berliner Morgenpost, Montag, 18. April 1994
Bizarrer Humor und freundlich garstiger Witz prägen allenthalben die Verse und Erzählungen des Joachim Ringelnatz. Dies wird auch so in einer munteren Revue in der Tribüne vorgetragen, wo Rainer Behrend aus Ringelnatz-Werken eine bunte Mischung zusammengestellt und unter dem Titel «Du mußt die Leute in die Fresse knacken!” inszeniert hat.

Uli Schreiber hat die meisten Gedichte in Musik gesetzt und begleitet zusammen mit Thomas Langlotz und Richard Nickel schwungvoll den Abend.

Das Ensemble bringt die unterschiedlichsten Schattierungen der Texte zum Glänzen. Dagmar von Thomas verkörpert die Dame von Welt, Rainer Pigulla lebt die skurrile Tollheit herrlich aus, wenn er das total gegen den Strich gebürstete Märchen vom Rotkäppchen erzählt.

Tom Deininger, stets mit wohldosiertem Irrsinn im Blick, Ina Retzbach mit sinnlichem Charme sowie Oliver Feld als geschniegelter Lebemann runden das Bild dieser Revue ab und machen sie zu einem Erfolg.

Nicht zu verleugnen ist auch Ringelnatz' Hang zum Maritimen, war er doch selbst, als er noch Hans Bötticher hieß, einmal Matrose. Auch an diesem Abend fehlt fast nichts, was einem von diesem reimenden Seemann so vertraut ist: Geschichten vom Seemann Kuttel Daddeldu, das «Seepferdchen” oder «Seemannstreu”. In diesem Meer blühenden Blödsinns und witzigen Hintersinnes gibt es auch die friedlichen Inseln der lyrischen Töne und tragikomischen Zwischentöne. Erasmus von Krause


Die Tribüne, Otto-Suhr-Allee 18-20, Berlin-Charlottenburg. Weitere Aufführungen morgen bis zum 23. April, jeweils um 20 Uhr.

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