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Ein charmanter Frauenmörder singt im Hebbel-Theater

Feuilleton - Berliner Morgenpost, Donnerstag, 31. März 1994
In der Liebe geht er über Leichen. Blaubart hat seine erste große Liebe, seine Klavierlehrerin, im Besenschrank eingeschlossen und sich erst nach zwei Jahren wieder an sie erinnert, als sie dort gefunden wird. Seinen anderen Frauen geht es nicht besser: Stets sind es die kleinen Unachtsamkeiten, die das Leben der Damen beenden. Und mit jedem dieser Unfälle wächst das Damen-Orchester Blaubarts. Dem wohlgeformten Klangkörper fehlt noch die schöne Stimme. Also entschließt sich Blaubart zur Heirat mit der Sängerin Marie.

So charmant, spritzig und überschäumend ist die Legende vom Frauenmörder Blaubart wohl noch nie erzählt worden wie von Ulrich Tukur in dieser musikalischen Horror-Komödie. Die skurrile Mischung aus nostalgischer Salonmusik und clowneskem Swing ist ein Hochgenuß. Die Hamburger Stadtmusikatzen, das schwungvoll musizierende Damen-Sextett, beweisen nicht nur an ihren Instrumenten Weltklasse, genauso wie Vasiliki Roussi als Maria. Unwiderstehlich komisch aber ist Robby Schuster als Faktotum und Schlagzeuger Herkules.

Diesen frechfröhlichen Geniestreich haben sich Ulrich Tukur, Regisseur Ulrich Waller und Thomas Struck ausgedacht. Tukur als Alphonse de Bleue alias Blaubart, zündet dieses Feuerwerk mit phänomenalem Talent: Er singt, tanzt, spielt Klavier und Akkordeon und versteht es, den Saal zum Brodeln zu bringen. Erasmus von Krause


Bis zum 2. April, sowie vom 4. bis 6. und 8. bis 10. April, jeweils um 20 Uhr, im Hebbel-Theater, Stresemannstr. 29, Berlin-Kreuzberg.

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