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Erinnerung an das Literatur-Phänomen Werner Schwab

Feuilleton - Berliner Morgenpost, Donnerstag, 3. März 1994
Vor zwei Monaten ist er gestorben, der Autor Werner Schwab. In der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz fand ihm zu Ehren eine Lesung statt. «Abfall, Bergland, Cäsar» heißt das Werk, aus dem Thomas Thieme vorlas. Es enthält 26 Kapitel, deren Ordnungsprinzip das Alphabet ist.

Thieme erinnerte daran, daß Schwab vor zwei Jahren zum besten Dramatiker Deutschlands ernannt wurde. Nach soviel Lob drohe meist ein baldiger Verriß durch die Kritiker, was Schwab nicht mehr erlebte.

Thieme las die ersten drei titelgebenden Kapitel, dazu noch die »M» und »Y» überschriebene Passagen. Alle Texte sind von einer düsteren Atmosphäre geprägt, die in einem sehr drastischen Vokabular geschildert wird - ganz so wie in Schwabs Stücken. Der Autor ließ seinen Gedanken freien Lauf, und wenn sich in seine Reflektionen jede Menge Dreck und Ekel mischten, so wirkt dies jetzt geradezu zwangsläufig.

Das Wechselspiel im Spannungsfeld zwischen Provokation durch den Autor und Projektion durch den Hörer macht diese Texte so interessant. Erasmus von Krause

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