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Die Homosexualität paßt in keinen Fünfjahresplan

Feuilleton - Berliner Morgenpost, Dienstag, 29. März 1994
Die utopischen Planungen schöngeistiger Ideologen haben schon immer die schönsten Entwürfe des «neuen Menschen» hervorgebracht, doch Schwule paßten nie in diese Weltbilder. Wie könnte es also einem Homosexuellen ergehen, der auf Kuba lebt? Seine sexuelle Orientierung ist zwar kein Tabu mehr, paßt aber auch in keinen Fünfjahresplan.

Der kubanische Autor Senel Paz schrieb die Erzählung «Der Wolf, der Wald und der neue Mensch», nach der auch der Berlinale-Erfolg «Erdbeer und Schokolade» gedreht wurde. Und er formte daraus das Solo-Schauspiel «David und Diego», das jetzt im carrousel-Theater Premiere hatte. Unter der Regie von Eddy Socorro spielte Sebastian Hartmann die drei Rollen.

Der Bauernsohn David kommt nach Havanna. Diego verliebt sich in ihn. David hat zwar etwas gegen Homosexuelle, doch als er bei Diego verbotene Bücher ausländischer Literaten entdeckt, ist sein Interesse geweckt. Hin und hergerissen zwischen Neugier und Zweifel verrät er Diego an den Kader Miguel.

Diese gegensätzlichen Charaktere vereint Sebastian Hartmann auf erstaunliche Weise. Autor Senel Paz läßt Extreme aufeinanderprallen, denn Diego nimmt auch noch eine kritische Haltung zur kubanischen Regierung ein. Politische und geistige, sexuelle und religiöse Freiheit gehören für Paz zusammen. Ein Diskurs von besonderem Reiz. Zudem ist Paz ein Meister subilen Humors und politischer Satire. Erasmus von Krause

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