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«Morris» - immer noch so wirksam wie vor 50 Jahren

Feuilleton - Berliner Morgenpost, Mittwoch, 16. März 1994
Ein seit Jahren nicht mehr erhältliches Buch plötzlich wieder in Händen zu halten, kann zur faszinierenden Wiederbegegnung werden. Denn vieles hatte man vergessen, anderes hat sich für immer eingeprägt. Doch wie ungewöhnlich muß dieses Gefühl sein, wenn man selbst der Autor dieses Buches ist.

So ging es Ralph Giordano mit seinem Werk «Morris - Geschichte einer Freundschaft», das er vor fast 50 Jahren schrieb und das jetzt wieder in einer Neuauflage des Berliner Verlags Neues Leben vorliegt.

Sein eigenes Exemplar von 1948 hatte Giordano verliehen und dann nie wieder zurückerhalten. Im letzten Jahr entschied sich der Verlag zu einer neuen Edition. «Morris» gilt als eine Art Ouvertüre zu seinen «Bertinis». Beide Werke verbindet Giordanos autobiographischer Blick auf die Nazi-Zeit.

Giordano erzählt von der Freundschaft zweier Jungen, einer von ihnen ist Jude und sympathisiert mit der Kommunistischen Partei. Doch der Roman «Morris» ist von ideologischer Verblendung frei.

Wenn er auch heute manches anders schreiben würde, so meinte der nach eigenen Worten «mühsam gereifte Schriftsteller» bei der Buchpräsentation im Kulturhaus Mitte, er wolle jetzt trotzdem kein Wort am Original von «Morris - Geschichte einer Freundschaft» ändern. Erasmus von Krause

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