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Frischer musikalischer Wind aus dem Norden wehte durch Berlin

Feuilleton - Berliner Morgenpost, Donnerstag, 6. Oktober 1994
Vor 112 Jahren wurde die Finnische Musik-Akademie gegründet, die 1939 den Namen eines Schülers und späteren Lehrers erhielt: Jean Sibelius. Die Herbsttournee der Sibelius Akademie führte das Orchester nach Dresden und nun auch nach Berlin. In der Hochschule der Künste gaben die Musiker ein bemerkenswertes Konzert. Auf dem Programm standen Werke von Väinö Raitio, Dmitri Schostakowitsch und Jean Sibelius.

Unter der Leitung von Sakari Oramo spielte das Orchester die Tondichtung «Die Schwäne» von Raitio. Klar strukturierte Stimmen, die auch beim Tutti filigran herausgearbeitet sind, geben dieser Komposition einen kraftvollen und doch auch transparenten Charakter. Dirigent Oramo, erst 29 Jahre alt, gelang eine Meisterleistung.

Bemerkenswert begabt ist auch Alexander Gebert, der 17jährige Solist in Schostakowitschs Cellokonzert Nr. 1. Das Werk verlangt viel, denn es gibt für den Solisten im temperamentvollen ersten und dritten Satz kaum eine Pause, und der zweite Satz wird von einer überaus langen Kadenz bestimmt. Gebert spielte mit großer Hingabe.

Abschließend brachte das Orchester die erste Sinfonie in e-Moll op. 39 ihres Namenspatrons Sibelius zu Gehör. Mit Verve und Vitalität entfaltete Oramo das Panorama weitgespannter Melodiebögen und brillanter Klangfarben. E.v.K.

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