Du bist hier

Spannende Jagd nach einem verschollenen Evangelium

Feuilleton - Berliner Morgenpost, Dienstag, 4. Oktober 1994
Einen Roman von fast biblischen Ausmaßen und mit einem biblischen Thema hat der amerikanische Autor Wilton Barnhardt vorgelegt. Sein nunmehr zweiter Roman heißt «Der 13. Apostel und erzählt von der spannenden Jagd nach einem verschollenen Evangelium. Dies ist kein Buch für Leseratten, die gerade auf Diät sind, denn dieses Buch ist nicht einfach nur «Lesefutter», es ist ein opulentes Mahl.

Die zurückhaltende Theologie-Studentin Lucv aus Chicago wird auf eine Reise geschickt, um den verschwundenen Emeritus Patrick O’Hanrahan zu finden. Dieser spürt einem geheimnisvollen Text nach. Es ist das verschollene Evangelium des Matthias, der den Platz des Judas eingenommen hat.

Lucy und O’Hanrahan sind so unterschiedliche Charaktere, daß sich schon allein daraus viele reizvolle Reibereien ergeben. Dazu gesellt sich diese phantastische Geschichte um die Suche nach geheimnisumwitterten alten Schriften. Aus diesen Zutaten ist schon öfter ein spannender Roman gemacht worden - man denke nur an Ecos «Name der Rose».

Barnhardt ist ein Erzähler, der detailversessen und doch im flotten Plauderton seine Leser in seinen Bann zieht. Ein bißchen Krimi, ein bißchen Religion und nicht zu wenig Humor bestimmen diesen Roman. Lucv ist dabei immer im Zwiegespräch mit Gott, und bekommt weise Repliken - Don Camillo läßt grüßen.

So führt uns der Roman von Chicago über England nach Irland, Italien, Griechenland, Israel, Äthiopien und in den Sudan. Wer eine spannende Reise vom Lese-Sessel aus machen will, kann dies mit Barnhardts Roman tun.

Wilton Barnhardt: «Der 13. Apostel». Der Droemer Knaur Verlag, München. 960 5., 45 DM.

Zur Liste der Pressearbeiten