Du bist hier

Ausstellung und Matinee zur Ehren verfolgter Künstler

Feuilleton - Berliner Morgenpost, Dienstag, 4. Oktober 1994
Sie wurden verehrt, dann von den Nazis verfolgt und schließlich vom Publikum vergessen. Dieses Schicksal teilten viele Künstler zwischen 1933 und 1945, die als Juden, Kommunisten oder Regimegegner denunziert wurden. Wer nicht rechtzeitig ins Exil ging, kam ins Konzentrationslager.

Um dem Vergessen entgegenzuwirken, wurde jetzt im Foyer der Kammerspiele des Deutschen Theaters die Ausstellung «verehrt, verfolgt, vergessen - Schauspieler als Nazi-Opfer» von Ulrich Liebe eröffnet. Zum Auftakt lasen in einer Matinee Inge Keller, Petra Hartung, Guntram Brattia, Dieter Mann und Intendant Langhoff Briefe und Erinnerungen von Verfolgten und deren Angehörigen.

Verzweifelte Bittschreiben, wie etwa jenes von Hans Moser an Hitler, und Erinnerungen von Kollegen an die Verhaftung und Verurteilung von Robert Dorsay kontrastieren mit Schlagern aus dem Revueglimmer der dreißiger Jahre.

«Was nimmt man auf die Flucht mit? In der Schule lernt man's nicht, im Brockhaus steht es nicht!» beschrieb Friedrich Hollaender seine Emigration von 1933. Wer nach dem Ende des Dritten Reiches aus dem Exil zurückkehrte, konnte den Eindruck haben, nicht nur 12 Jahre außer Landes gewesen zu sein, sondern 1000 Jahre - wie Curt Bois seine Eindrücke beschrieb.

Thomas Langhoff, selbst ein Kind der Emigration, betonte seine Freude darüber, daß diese Ausstellung gerade in seinem Theater gezeigt werden könne. E.v.K.


Im Foyer der Kammerspiele des Deutschen Theaters, Schumannstraße 13a, Berlin-Mitte. Täglich von 15 bis 18.30 Uhr. Bis zum 30. Oktober. Unter demselben Titel ist ein Buch zur Ausstellung im Beltz Quadriga Verlag erschienen.

Zur Liste der Pressearbeiten