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«Teufels General» zwischen den Fronten

BMlive - Berliner Morgenpost, Freitag, 27. Dezember 1996
Es müßte schon mit dem Teufel zugehen, wenn Castorfs Volksbühne ein Werk konservativ inszeniert. Er schert sich den Teufel um alte Zöpfe. Er wagt die schräge Interpretation - und wenn dabei manch Vertrautes verteufelt fremd aussieht...

«Des Teufels General» hat er für sein Haus auf die Bühne gestellt. Mit den bekannten Geistern, die er rief, und von denen er nicht lassen will: Mit buntem Treiben macht er den Zuschauern die Hölle heiß.

Wer den original Zuckmayer erwartet kommt da schnell in Teufels Küche. Denn dieser General ist nicht nur militärisch und politisch zwischen die Fronten geraten. Auf dem theatralischen Schlachtfeld a la Castorf wechselt er auch mal beim Geschlecht die Fronten.

Das Spiel um den Flieger Harras, der kein Nazi, aber dennoch deren Günstling war, wird eine wilde bunte Show. Auch Corinna Harfouch schlüpft in seine Rolle, in der auch Bernhard Schütz zu sehen ist.

Carl Zuckmayers Drama über die Nazivergangenheit und das Verhalten der Menschen unter der Prämisse einer Diktatur ist in der Volksbühne ein neuer Anlaß für bühnenwirksame Aufgedrehtheit. Ist da ein tieferer Sinn im Spiel? - Aber, aber: Wer wird denn gleich den Teufel an die Wand malen!

Rund geht es in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz wieder am 12. und 20. Dezember jeweils um 19.30 Uhr. EvK

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